Die Anfänge

Nein, es war nicht haargenau am 1. Januar, vielleicht nicht mal 1980, sondern ein paar Jahre früher, aber diese Webseite lässt kein anderes Datumsformat zu ;-). Irgendwann hatte mich die Musik gepackt. Ich hörte stundenlang John Miles' "Music",   versank zu "The end" von den Doors, kannte jede Strophe von "Bohemian Rhapsody" von Queen auswendig, liess mich von "Somebody called me Sebastian" von Cockney Rebel in den Strudel reissen und tanzte zu "London Calling" von The Clash. Ich las Hesse, Kafka und "Der Fänger im Roggen". Ob ich nun Hippie, Punk, Rebell oder introvertierte Träumerin war, wusste ich nicht genau, vermutlich ein bisschen von allem. Das Düstere zog mich magisch an. Zu viel Harmonie misstraute ich. Je tiefschürfender das Thema war und je mehr es mit dem Tod zu tun hatte, desto eher musste ich es ergründen. Das ist bis jetzt so geblieben. Zum Glück bin ich heute nicht nur Filmemacherin, sondern auch Krimiautorin und kann mit der Beschreibung menschlicher Abgründe meine Miete bezahlen.
Die Ursache für meinen Hang zum Morbiden sei mein Sternzeichen Skorpion, raunte mir vor Jahren eine Astrologin für 100 Franken zu und wankte dabei bedeutungsschwanger mit dem Kopf. Eine Psychologin hingegen sah (für 120 Franken) pränatale Traumas als Grund meines ausgeprägten Charakterzuges. Ein esoterisch angehauchter Kollege von ihr widersprach vehement und bestand darauf, es seien karmische Verstrickungen, die mich empfänglich für die Schattenseiten des Lebens machten (150 Franken). Aus nicht nachvollziehbaren Gründen habe ich in meiner Jugendzeit die Gothic-Szene nicht kennengelernt. Irgendwie ist sie spurlos an mir vorübergezogen, dabei wäre es wohl diejenige Subkultur gewesen, der ich mich zugehörig gefühlt hätte. So musste ich ohne Zugehörigkeit durchs Leben gehen und fast dreissig Jahre warten, bis ich während eines halbjährigen Aufenthaltes in Leipzig Kontakt zur "Schwarzen Szene" bekam. Und von der ersten Sekunde an fasziniert war.