Dreharbeiten: Das Liebespaar

Eigentlich hatte ich Carmilla Noctem und ihren Freund Dani als "Nebenfiguren" geplant. So unschön dieses Wort klingt, so gibt es doch das wider, worum es im Film geht: Die Geschichte wird von Hauptfiguren getragen, alle weiteren unterstützen diese im Sinne der Vielseitigkeit, haben aber keinen eigenen Handlungsstrang. Hauptperson war in diesem Fall Chris, der Fotograf. Doch das Aargauer Paar vom Friedhof liess mich nicht mehr los. Waren es vielleicht doch keine "Nebenfiguren"? Ich fragte sie an: "Möchtet ihr in meinem Film eine grössere Rolle spielen?" Die Antwort folgte bald: Ja, das wollten sie gern. So filmten Bea und ich mehrere Szenen zwischen August und November 2013 mit den beiden. Als erstes ihren "Alltag", etwas, das, wie wir noch erfahren sollten, von vielen Aussenstehenden für unmöglich gehalten würde: Gemeinsames Aufstehen, Kaffeekochen, Frühstücken, danach individuelles Zur-Arbeit-Fahren. "Was, die haben einen regelmässigen Tagesablauf? Die arbeiten?", hörte ich nämlich schon bald jemanden auf der Strasse ausrufen, den ich dazu befragte, ob er die Gothic-Szene kenne, und falls ja, was er von ihr halte. (Mehr darüber beim Eintrag vom 1. Oktober 2013)
Nun also, Carmilla Noctem und Dani arbeiten unter der Woche. Regelmässig und verlässlich. An Wochenenden tanzen sie an Parties ab und besuchen Konzerte. Carmilla hat eine leitende Stelle als Pflegefachfrau, Dani ist Dachdecker. Nachdem ich die Drehbewilligungen erhalten hatte, folgten als erstes die Aufnahmen mit Dani. In aller Herrgottsfrühe fuhren wir Ende August mit ihm und seinem Kollegen zu seinem aktuellen Arbeitsplatz, einem Einfamilienhaus auf dem Land. Flink kletterte Dani auf das Hausdach, schraubte, hämmerte und brachte meterlange Holzlatten in die richtige Position. Bea balancierte mit der Kamera auf dem Gerüst herum, blieb ihm dicht auf den Fersen und fing die besten Szenen ein. Ich stand unten auf dem sicheren Boden (Höhenangst lässt grüssen) und gab Bea Tipps, von welchem Winkel aus sie optimale Bilder aufnehmen könnte. Bald darauf folgten die Dreharbeiten an Carmillas Arbeitsplatz, einem Altersheim, wo sie den äusseren Wandel von Schwarz nach Weiss vollzog und sich warmherzig um die Bewohnerinnen kümmerte.