Eigenproduktion, Kinos & Verleih

Immer wieder, seit Beginn der Arbeit an diesem Film, hatte ich mich gefragt, ob ich nicht besser mit einer Produktionsfirma zusammenarbeiten sollte. Ein Produzent bzw. eine Produzentin würde dafür sorgen, dass Filmförderungsgelder gesprochen würden, hätte in der Branche Beziehungen, über die ich nicht verfüge, nähme die Werbung unter seine / ihre Fittiche und würde um Aufführungen bemüht sein, so dass ich mich voll dem kreativen Prozess widmen könnte, ohne den ganzen administrativen Kram. Ich machte innerlich mehrmals hin und her, doch irgendwann musste ich mir eingestehen: Ich will selbst entscheiden, was in meinem Film vorkommt, möchte Länge, Inhalt, Musik, ProtagonistInnen und kommende Aufführungen ohne Absprache "mit oben" bestimmen. Ich kann mich schlecht einer Hierarchie unterordnen. Das heisst: Ich habe mich gegen das (mögliche) Geld und für meine Freiheit entschieden. Was nicht bedeutet, dass der Film nicht doch ein finanzieller Erfolg werden kann. Aber es ist für mich nicht die Hauptsache.
Mitte Dezember habe ich trotz meines Alleingangs von 7 Kinos in verschiedenen Schweizer Kantonen das Ok bzw. Interessenbekundungen erhalten, dass sie "Gothic" in ihr Programm aufnehmen würden. Zudem hat sich ein Verleiher gemeldet, der meinen Film, sofern ich das möchte, vertreiben wird. Grund genug für mich, auf diesem Weg weiterzumachen.
Ja, ich bin fasziniert vom Thema und von den Menschen, die ich bei diesem Projekt kennen lerne. Ja, bestimmt tummeln sich nebst all den netten Leuten auch schräge Vögel und fiese Typen in der Schwarzen Szene. Werte wie Toleranz, Authentizität und Respekt, die szenenintern so hochgeachtet sind, werden nicht von allen gelebt. Natürlich gibt es auch Oberflächlichkeit, Eitelkeit und Falschheit. Wie überall auf der Welt. So what? Wieso sollte ich ausgerechnet diese Aspekte filmisch umsetzen, wo ich doch so viel anderes vorfinde? Es existieren genügend Klischees über die Goths – soll ich diese noch nähren? Ich müsse als Regisseurin kritischer sein und meine Begeisterung im Zaum halten, meinte ein Filmemacher, mit dem ich im Gespräch war, zu mir. Ich liess das eine Weile auf mich wirken. Er hatte schliesslich mehr Erfahrung. Und er verdiente gut mit seinen Filmen. Dann sagte ich: "Nein, das muss ich nicht."